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Monthly Archives: August 2013

diese woche habe ich mit meinem deutsch-grundkurs ein kleines experiment zum problem „wie entsteht sprache” gemacht.

 aufbau:

den beiden thesen folgend, dass sprache (1.) zufällig und ungelenkt entsteht, oder dass sie (2.) absichtsvoll und planvoll von menschen gemacht wird, wurde der kurs in zwei gruppen eingeteilt.

beide gruppen hatten die aufgabe, alle „fertigen” sprachen zu vergessen, die sie bereits sprechen und kennen, und auf den schulhof zu gehen.

dort sollten die einen einfach der sprachlichen Kommunikation freien lauf lassen und sehen, wohin man mit wiederholen und zufälligen lauten kommt.

die anderen sollten gemeinsam bewusst sprachliche formen für eine beliebige kommunikationssituation entwickeln.

die ergebnisse dieser 20 minuten finde ich interessant und ich freue mich darauf, in den nächsten jahren mit anderen kursen dieses experiment noch auszubauen (pro kurs kann man es halt nur einmal machen).

ergebnisse:

(ich möchte hier nur die von mir so weder intendierten noch ausdrücklich vorhergesehenen ergebnisse ansprechen; die allgemeingültigen weisheiten wie „sprachliche darstellung ermöglicht kommunikation über zeit- und ortsgrenzen hinweg, kann asynchron sein, etc.” überspringe ich hier.)

 beide gruppen entwickelten (vor-)grammatische syntaktische strukturen, die nur sehr wenig mit ihren muttersprachen (in den meisten fällen deutsch) zu tun haben, die aber außersprachliche zusammenhänge widerspiegeln.

beide gruppen entwickelten vokaldominierte morpheme, wobei die vokaldominanz in folgender reihe abnahm: sachbezeichner – qualitätsangaben – handlungsbezeichner; monosyllabische einheiten waren häufiger als polysyllabische, reduplikationen wahrscheinlicher als unterschiedliche zweit- und drittsilben.

Beispiele:

die „zufallsgruppe” hatte folgenden dialog:

 i u umpf baba ua? – oae.

 I = ich, u = nicht-ich [die notwendigkeit, zwischen 2. und 3. personen, sowie zwischen singular und plural zu unterscheiden scheint es nicht gegeben zu haben]
umpf = aktion: gehen / sich hinbewegen auf /…
baba = baum
ua = hoch / groß / zum Himmel
oaee = negation

die syntax des „satzes” ist gruppiert in aktanten + handlungsbezeichner + umstandsbezeichner, die syntax der „satzglieder” ist postmodifizierend(!). erst sehr spät in der anschließenden diskussion ist den schülerinnen und schülern bewusst geworden, dass ihre eigene muttersprache gar nicht postmodifizieren kann.

 um den dialog der „absichtsgruppe” schriftlich darzustellen, fehlt mir die ipa-kompetenz. die damen und herren haben sich nämlich die größte mühe gegeben, eine maximal nicht-arbiträre sprache zu entwickeln. ihr dialog war „bringen sie mir ein stück schweinefleisch und etwas zu trinken. – hier ihr schweinefleisch, und ihr getränk – danke.”, und die wörter für essen und trinken wurden mit inhalation (aufnahme in den körper!) gesprochen (ich weiß, dass ipa das kann, aber ich kann es eben nicht, und wüsste wohl auch nicht, wo ich die zeichen auf die schnelle herbekomme, gleiches gilt für das nächste:), das essen bekam auch noch klackgeräusche mit den zähnen „spendiert”. das schweinefleisch wurde durch imitation des schreis eines schweines dargestellt.
die textstruktur sah eine aneinanderkettung durch „und” nicht vor, sodass tatsächlich der teil „sie mir geben X” vollständig wiederholt werden muss, um sowohl schweinefleisch als auch getränk zu bestellen. das fehlen der logischen verknüpfung ist der gruppe ebenfalls nicht bei der erarbeitung aufgefallen.

 nun bin ich gespannt, welche ergebnisse ich in den nächsten jahren mit den folgenden kursen erhalten werde. da ist viel mehr drin, als das spielerische erkennen von grundsätzlichkeiten. der blick meiner schülerinnen und schüler auf ihre eigene und auf fremde sprachen ist nachhaltig verändert.

 und abschließend schulde ich meinen geneigten lesern noch eine erklärung für die fehlende großschreibung. ausgehend von der erkenntnis, dass die „entwickelten” sprache vokaldominiert waren, erschien mir ein hinweis auf alte sprachen interessant, die gar keine vokalzeichen (bzw. nur sehr unspezifische) verwenden. hebräisch als beispiel einer solchen sprache kannte jeder, und alle lachten („man kann doch nicht ohne vokale schreiben, erst recht nicht, wenn sie so offensichtlich wichtig sind”). also schrieb ich meine nächsten diskussionsbeiträge an die tafel – ohne vokale. das war natürlich problemlos verständlich. der versuch, konsonantenlos zu schreiben, führte zu ulkigen und absolut unverständlichen „Sätzen”. auch eine erkenntnis. als guter deutschlehrer habe ich dann auch noch der erkenntnis, dass man vokale nicht braucht um texte zu verstehen, die ansicht hinzugefügt, dass auch die großschreibung irrelevant ist. weiter unten findet man diesen text nochmal vokallos (der modernen textverarbeitung sei dank ist es kein problem die „schlingel” zu eliminieren) – viel spaß! die konsonantenlose variante ist als scherz ebenfalls angehängt.

+++++ Vokallos +++++

ds wch hb ch mt mnm dtsch-grndkrs n klns xprmnt zm prblm „w ntstht sprch” gmcht.

fb:

dn bdn thsn flgnd, dss sprch (1.) zfllg nd nglnkt ntstht, dr dss s (2.) bschtsvll nd plnvll vn mnschn gmcht wrd, wrd dr krs n zw grppn ngtlt

bd grppn httn d fgb, ll „frtgn” sprchn z vrgssn, d s brts sprchn nd knnn, nd f dn schlhf z ghn.

drt slltn d nn nfch dr sprchlchn Kmmnktn frn lf lssn nd shn, whn mn mt wdrhln nd zfllgn ltn kmmt.

d ndrn slltn gmnsm bwsst sprchlch frmn fr n blbg kmmnktnssttn ntwckln.

d rgbnss dsr 20 mntn fnd ch ntrssnt nd ch fr mch drf, n dn nchstn jhrn mt ndrn krsn dss xprmnt nch szbn (pr krs knn mn s hlt nr nml mchn).

rgbnss:

(ch mcht hr nr d vn mr s wdr ntndrtn nch sdrcklch vrhrgshnn rgbnss nsprchn; d llgmngltgn wshtn w „sprchlch drstllng rmglcht kmmnktn br zt- nd rtsgrnzn hnwg, knn snchrn sn, tc.” brsprng ch hr.)

bd grppn ntwckltn (vr-)grmmtsch sntktsch strktrn, d nr shr wng mt hrn mttrsprchn (n dn mstn flln dtsch) z tn hbn, d br ßrsprchlch zsmmnhng wdrspgln.

bd grppn ntwckltn vkldmnrt mrphm, wb d vkldmnnz n flgndr rh bnhm: schbzchnr – qlttsngbn – hndlngsbzchnr; mnsllbsch nhtn wrn hfgr ls plsllbsch, rdplktnn whrschnlchr ls ntrschdlch zwt- nd drttslbn.

Bspl:

d „zfllsgrpp” htt flgndn dlg:

i u umpf baba ua? – oae .

i = ch, = ncht-ch [d ntwndgkt, zwschn 2. nd 3. prsnn, sw zwschn snglr nd plrl z ntrschdn schnt s ncht ggbn z hbn]
umpf = ktn: ghn / sch hnbwgn f /…
baba = bm
ua = hch / grß / zm Hmml
oae = ngtn

d sntx ds „stzs” st grpprt n ktntn + hndlngsbzchnr + mstndsbzchnr, d sntx dr „stzgldr” st pstmdfzrnd(!). rst shr spt n dr nschlßndn dskssn st dn schlrnnn nd schlrn bwsst gwrdn, dss hr gn mttrsprch gr ncht pstmdfzrn knn.

m dn dlg dr „bschtsgrpp” schrftlch drzstlln, fhlt mr d p-kmptnz. d dmn nd hrrn hbn sch nmlch d grßt mh ggbn, n mxml ncht-rbtrr sprch z ntwckln. hr dlg wr „brngn s mr n stck schwnflsch nd tws z trnkn. – hr hr schwnflsch, nd hr gtrnk – dnk.”, nd d wrtr fr ssn nd trnkn wrdn mt nhltn (fnhm n dn krpr!) gsprchn (ch wß, dss p ds knn, br ch knn s bn ncht, nd wsst whl ch ncht, w ch d zchn f d schnll hrbkmm, glchs glt fr ds nchst:), ds ssn bkmm ch nch klckgrsch mt dn zhnn „spndrt”. ds schwnflsch wrd drch mttn ds schrs ns schwns drgstllt.
d txtstrktr sh n nnndrkttng drch „nd” ncht vr, sdss ttschlch dr tl „s mr gbn X” vllstndg wdrhlt wrdn, m swhl schwnflsch ls ch gtrnk z bstlln. ds fhln dr lgschn vrknpfng st dr grpp bnflls ncht b dr rrbtng fgflln.

nn bn ch gspnnt, wlch rgbnss ch n dn nchstn jhrn mt dn flgndn krsn rhltn wrd. d st vl mhr drn, ls ds splrsch rknnn vn grndstzlchktn. dr blck mnr schlrnnn nd schlr f hr gn nd f frmd sprchn st nchhltg vrndrt.

 nd bschlßnd schld ch mnn gngtn lsrn nch n rklrng fr d fhlnd grßschrbng. sghnd vn dr rknntns, dss d „ntwckltn” sprch vkldmnrt wrn, rschn mr n hnws f lt sprchn ntrssnt, d gr kn vklzchn (bzw. nr shr nspzfsch) vrwndn. hbrsch ls bspl nr slchn sprch knnt jdr, nd ll lchtn („mn knn dch ncht hn vkl schrbn, rst rcht ncht, wnn s s ffnschtlch wchtg snd”). ls schrb ch mn nchstn dskssnsbtrg n d tfl – hn vkl. ds wr ntrlch prblmls vrstndlch. dr vrsch, knsnntnls z schrbn, fhrt z lkgn nd bslt nvrstndlchn „Stzn”. ch n rknntns. ls gtr dtschlhrr hb ch dnn ch nch dr rknntns, dss mn vkl ncht brcht m txt z vrsthn, d nscht hnzgfgt, dss ch d grßschrbng rrlvnt st. wtr ntn fndt mn dsn txt nchml vklls (dr mdrnn txtvrrbtng s dnk st s kn prblm d „schlngl” z lmnrn) – vl spß! d knsnntnls vrnt st ls schrz bnflls nghngt.

+++++Konsonantenlos für die ganz Unerschrockenen+++++

iee oe ae i i eie eu-uu ei eie eeie u oe „ie ee ae” ea.

auau:

e eie ee oe, a ae (1.) uäi u uee ee, oe a ie (2.) aio u ao o ee ea i, ue e u i ei ue eieei

eie ue ae ie auae, ae „eie” ae u eee, ie ie eei ee u ee, u au e uo u ee.

o oe ie eie eia e aie ouiaio eie au ae u ee, oi a i ieeoe u uäie aue o.

ie aee oe eeia eu aie oe ü eie eieie ouiaioiuaio eie.

ie eeie iee 20 iue ie i ieea u i eue i aau, i e äe ae i aee ue iee eeie o auuaue (o u a a e a u eia ae).

eeie:

(i öe ie u ie o i o ee ieiee o auüi oeeeee eeie aee; ie aeeiüie eieie ie „aie aeu eöi ouiaio üe ei- u oee ie, a ao ei, e.” üeie i ie.)

eie ue eiee (o-)aaie aie uue, ie u e ei i ie ueae (i e eie äe eu) u u ae, ie ae aueaie uaeäe ieiee.

eie ue eiee oaoiiee oee, oei ie oaoia i oee eie aa: aeeie – uaiäaae – aueeie; ooaie eieie ae äuie a oaie, euiaioe aeiie a ueieie ei- u iie.

eiiee:

ie „uaue” ae oee iao:

i u umpf baba ua? – oae.

I = i, u = i-i [ie oeiei, ie 2. u 3. eoe, oie ie iua u ua u ueeie ei e i eee u ae]
umpf = aio: ee / i ieee au /…
baba = au
ua = o / o / u ie
oaee = eaio

ie a e „ae” i uie i aae + aueeie + uaeeie, ie a e „aiee” i ooiiiee(!). e e ä i e aieee iuio i e üeie u üe eu eoe, a ie eiee ueae a i ooiiiee a.

u e iao e „aiue” ii auee, e i ie ia-oee. ie ae u ee ae i äi ie öe üe eee, eie aia i-aiäe ae u eie. i iao a „ie ie i ei ü eieei u ea u ie. – ie i eieei, u i eä – ae.”, u ie öe ü ee u ie ue i iaaio (auae i e öe!) eoe (i ei, a ia a a, ae i a e ee i, u üe o au i, o i ie eie au ie ee eeoe, eie i ü a äe:), a ee ea au o aeäue i e äe „eie”. a eieei ue u iiaio e ei eie eie aee.
ie euu a eie aeiaeeu u „u” i o, oa aäi e ei „ie i ee ” oäi ieeo ee, u oo eieei a au eä u eee. a ee e oie eüu i e ue eea i ei e eaeiu aueae.

u i i ea, ee eeie i i e äe ae i e oee ue eae ee. a i ie e i, a a ieeie eee o uäieie. e i eie üeie u üe au ie eiee u au ee ae i aai eäe.

u aiee ue i eie eeie ee o eie eäu ü ie eee oeiu. auee o e eei, a ie „eiee” ae oaoiie ae, eie i ei iei au ae ae ieea, ie a eie oaeie (. u e ueiie) eee. eäi a eiie eie oe ae ae ee, u ae ae („a a o i oe oae eie, e e i, e ie o oeii ii i”). ao ie i eie äe iuioeiäe a ie ae – oe oae. a a aüi oeo eäi. e eu, ooaeo u eie, üe u uie u aou ueäie „äe”. au eie eei. a ue euee ae i a au o e eei, a a oae i au u ee u eee, ie ai iueü, a au ie oeiu ieea i. eie ue ie a iee e oa oao (e oee eeaeiu ei a i e ei oe ie „ie” u eiiiee) – ie a! ie ooaeoe aiae i a e eea aeä.