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Culture / Kultur

Vor ein paar Tagen hatte meine Inszenierung von Hugo v. Hofmannsthals Jedermann Premiere. Es ist das erste Stück, das ich mit dem neu gegründeten Thalia Theater am Leibniz-Gymnasium in Pirmasens erarbeitet habe. Es ist auch gleichzeitig meine erste ernstzunehmende Theaterarbeit in deutscher Sprache.
Die erste Fassung des Programmhefttextes ist entsprechend auch gewaltig ,,in die Hose gegangen”, wenn man das Publikum bedenkt, an das das Programm sich wendet (Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums nämlich, ihre Eltern und Freunde, und erst in allerletzter Linie die Lehrerinnen und Lehrer, von denen dann auch nur ein Bruchteil Germanist, Theologe oder Philosoph ist). Dennoch glaube ich, dass dieser Text besonders gut die meiner Inszenierung zugrundeliegenden Ideen darstellt, daher möchte ich ihn auf diesem Wege, quasi unabhängig vom eigentlichen Theatererlebnis, zur Diskussion stellen. Das Originalprogramm, Aufführungsphotos und -berichte kann man in den folgenden Tagen auf der Homepage des Theaters sehen (ich werde die Links hier im Artikel aktualisieren):  http://leibniz-gymnasium-pirmasens.de/


 

Hugo v. Hofmannsthal [Bild]

Geboren am 1. Februar 1874 in Wien und gestorben am 15. Juli 1929 ebenda.

 

Die Kunst des Fin de Siècle drohte zur Methode der Unterhaltung degradiert zu werden. Sozial wurde diese künstlerische (Fehl)entwicklung begleitet von einer aufstrebenden Massengesellschaft, die von den Städten aus das Zusammenleben grundlegend änderte und anonymisierte. Alte familiäre Strukturen wurden irrelevant, traditionelle Gesellschaftsschichtungen umgewirbelt, grundlegende Vereinbarungen über Machtverhältnisse aufgelöst und neu verhandelt. Waren es früher Adel und Militär, die mit ihren Ehr- und Ordnungsbegriffen den Zusammenhalt der Gemeinschaften garantierten, kamen nun Bürgerliche und Industrielle und beanspruchten genau diese Aufgaben. Noch 1900 sieht Schnitzlers „Lieutenant Gustl” den einzigen Ausweg aus dem Dilemma, dass er sich – als Soldat – duellieren muss, aber dass sein Gegner – als Bürgerlicher – nicht satisfaktionsfähig ist, im Selbstmord. Bereits 1917 hat dann der bürgerliche(!) „Milliardär” in Georg Kaisers „Die Koralle” als Großindustrieller quasi das soziale Szepter übernommen, schon die pure Idee der Satisfaktionsfähigkeit scheint hier aus einer anderen Welt zu stammen.

 

In die Zeit dieses Umbruches fällt nicht nur der erste Weltkrieg, sondern auch die Entstehung unseres Jedermanns. Hugo von Hofmannsthals Anliegen war es, die Kunst von der Aufgabe der Unterhaltung zu lösen und als „reine Kunst” (l’art pour l’art) positiv auf das Volk wirken zu lassen, dessen Identität und Ordnung durch die äußeren Umstände ins Wanken geraten sind. In diesem Sinne ist der Jedermann ein Beispiel des Theaters als Lehranstalt. Der Rückgriff auf Texte des Mittelalters geschieht aus zwei Gründen. Zum einen sind dies Geschichten, die von allen Mitgliedern der Volks- und Kulturgemeinschaft als gemeinsame Basis, als intellektuelle Wurzeln, anerkannt werden; und zum andern bietet die äußere Form der gebundenen Sprache die Möglichkeit, „Kunst” als solche erfahrbar zu machen und von der Umgangssprache so weit wie möglich zu entfernen. Grundsätzlich dem Brechtschen Verfremdungseffekt ähnlich, soll hier aber nicht durch „Künstlichkeit” Distanz, sondern durch „Kunst” Nähe geschaffen werden.

„Dramatische Gebilde dieser großen simplen Art sind wahrhaftig aus dem Volk hervorgestiegen. Vor wen sollten sie als wiederum vor das Volk? […] Wie aber, daß wir das Abgestorbene, das Unzeitgemäße vor sie gebracht hätten! Es wird in unserer Zeit gar zu viel Wesens gemacht von unserer Zeit. […] Das Wohltuende für den Dichter liegt darin, unsäglich gebrochenen Zuständen ein ungebrochenes Weltverhältnis gegenüberzustellen, das doch in der innersten Wesenheit mit jenem identisch ist.“ (Das Spiel vor der Menge, 1911).

 

Im Jedermann tritt die neue Ordnung auf in Gestalt des Mammon. Geld regiert die Welt, dem Geld wird alles untergeordnet, über Geld definiert man sich, mit Geld erkauft man sich das Wohlwollen der anderen Menschen. Doch scheitert diese neue Ordnung spätestens dort, wo der Mensch echten Beistandes bedarf. Geld ist nur von dieser Welt, der Sinn, den es stiftet, ist endlich.
Das, was als alte Ordnung dargestellt wird, scheitert aber ebenfalls. Der Sohn ist zwar von der Mutter erzogen, aber er scheitert daran, ihren Wertvorstellungen gerecht zu werden. Die Vettern schwören zwar auf die Blutsbande und bestehen darauf, dass „Art nicht von Art” lässt, doch im Kern ist ihre Definition von Blutsbande eine parasitäre, der Jedermann bleibt allein, sobald es gefährlich werden könnte. – Doch ist dies tatsächlich die „alte Ordnung”, die man am Anfang des neuen Jahrhunderts wiederherstellen sollte? Wieso kommen Gott (der im theologischen Sinne ähnlich problematisch dargestellt ist wie z. B. der wettende Gott im Faust) und sein Gegenspieler, der Teufel (in gänzlich un-christlichem Sinn „ein”, nicht „der”), dabei so schlecht weg? Ist der Jedermann ein religionskritisches Stück? Weshalb aber bringt dann der Glaube die Rettung? Der Gott des Prologs ist der, den der Jedermann als schlagenden Strafenden beschreibt, er ist nicht der, den der Glaube als wohltätigen Erlöser verspricht, und doch siegt die Dankbarkeit für den Erlöser über das Bild, das das Publikum vom Strafenden bekommen hat. Logisch und zumal theologisch scheint dies gelinde gesagt „schwierig”. Was Hofmannsthal uns da als Ordnung zeigt, ist das, was als einfache Lösung im konservativen Lager angeboten wird. Er entlarvt die Verlogenheit der hier erzählten Geschichte. Durch die tatsächliche Erlösung des Jedermann (der Teufel ist eine Witzfigur, die Erlösung, die die Seele aufnehmenden Engel sind keine) zeigt er die wahre konservative Ordnung auf, die (wieder) herzustellen ist: die Ordnung, die dem Menschen das Recht auf metaphysische Erfahrung lässt, und die jedes Individuum sowohl als solches, aber auch als Teil einer Einheit sieht, die größer ist als die Summe aller Menschen. Sowohl Entfremdung durch den Kapitalsgedanken, als auch Vereinnahmung durch ein vorgespieltes Nationalbewusstsein bedeuten Gefahr für den modernen Menschen, da sie von außen und nur im Hier und Jetzt Bedeutung haben.

 

Das „innere Wesen” anzusprechen vermag dann die reine Kunst.

Kunst als reine Unterhaltung – was macht das zeitgenössische Kino heute? …

L’art pour l’art – zum Schimpfwort verkommen? …

Geld regiert die Welt – oder nicht? …

Blutsbande – …

Welches Stück wäre passender für 2014 als der im Jahr Drei vor Ausbruch des ersten Weltkriegs geschriebene Jedermann?

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… zwei akute Aufgaben zur fortgeschrittenen Leseförderung

Inzwischen habe ich mich an das Alltagsgeschäft mit der Verantwortung für eine Schulbibliothek gewöhnt und wage mich nun auch vor in kleine Veränderungen. Dass ich die bequemen Sessel und die Couch zusammengerückt und die Arbeitstische in den Arbeitsraum umgezogen habe, ist sicher keine Meldung in einem Blog wert, der von mehr als der schulinternen Öffentlichkeit gelesen werden soll. Ebenfalls nicht vermeldenswert ist sicher das Auftreiben eines runden Kaffeetisches für die Leseecke und das Fehlen einer vernünftigen Garderobe.

Blogwert ist sicher ein kleines ,,Problem”, mit dem ich mich derzeit zum ersten Mal auseinandersetze, und das mir viel über deutsche Literatur und vor allem deutsches Literaturverständnis zeigt.
Vor ein paar Wochen habe ich damit begonnen, in der Bibliothek Wunschzettel auszulegen, auf denen die Leserinnen und Leser Bücher bzw. Medien aufführen können, die sie interessieren, und mit denen sie gerne lesen würden. Einige Schülerinnen (bislang tatsächlich ausschließlich Mädchen, gerade so, als ob sie ein gewisses Rollenbild bestätigen wollten) haben diese Wunschzettel bereits angenommen und haben mir gesagt, was sie gerne lesen möchten. Die Überraschung hätte nicht kleiner, der Effekt nicht größer sein können. Sie wollen, außer mehr Harry Potter (ja, uns fehlen tatsächlich noch zwei deutsche Bände in unserer Sammlung), vor allem Horrorliteratur lesen. Für eine Generation, die mit Potter, Eragon und Tintenblut groß geworden ist, ist dies wahrlich keine Überraschung und wohl auch eine Art Erwachsenwerden im Literaturgeschmack.  Nun möchte ich ja sehr gerne diesen Mädchen eine vernünftige Auswahl an dem, was sie lesen möchten, bieten. Vielleicht ist es der Anglist in mir, der überhaupt kein Problem “whatsoever” darin sieht, eine anspruchsvolle Bibliothek mit einer Abteilung ,,Horror” zu versehen, das deutsche Umfeld ist hier aber nicht sehr frei von Vorurteilen. Wir haben keine “gothic novel”, wir haben ,,Romantik”, und das kann ich nun wirklich nicht auf ein Regal schreiben, von dem ich mir erhoffe, dass es jugendliche Leser beider Geschlechter gleichermaßen dazu einlädt, ihren Lesegeschmack auf bereits begonnen Wegen weiterzuentwickeln, oder? Die Akzeptanz eines solchermaßen beschrifteten Regals bei den erwachsenen Lesern und Nutzern der Schulbibliothek wäre allerdings völlig gegeben, sie würden sich mit jeder Schülerin und jedem Schüler freuen, die sich aus dieser Sammlung bedienten (nur, dass sie genau das ja nicht alle täten, s.o.). Bei der Beschriftung mit ,,Horrorliteratur” ginge es mir genau umgekehrt, die Schülerinnen und Schüler würden die Regalmeter leerlesen, unter den gerümpften Nasen der Erwachsenen.

Aufgabe 1: Finde eine Überschrift für die Sammlung, die alle zusammenbringt, statt sie zu trennen.

Optimist, der ich bin, gehe ich davon aus, dass ich die Beschriftung bzw. Klassifizierung dieser neu anzulegenden Sammlung allgemeinverträglich hinbekomme. Bleibt nun noch die Frage, was denn in diese Sammlung aufzunehmen ist. Was das 19. Jahrhundert angeht, habe ich keine großen Schwierigkeiten, da kann ich mit E. T. A. Hoffmann und Jeremias Gotthelf schon schön anfangen und zweisprachig mit Poe weitermachen. Die jungen Leser werden aber sicher zuerst zu Namen greifen wollen, die ihnen nicht unbedingt ,,nur” aus dem Schulunterricht bekannt sind. Also aus dem späteren 20. Jahrhundert Stephen King lesen wollen. Einige seiner Romane und Kurzgeschichtensammlungen gehören sicherlich zu dem, was man in Deutschland ,,Weltliteratur” nennt. Ihm zur Seite gehört unbedingt als potentielle Neuentdeckung für die jungen Lesenden Clive Barker, dessen Gesamtwerkt bislang unbedingt als ,,große Kunst und Literatur” zu bewerten ist.
Aber welche deutschen Schriftsteller kann ich hier noch mit aufnehmen? Ich will ja gerade weg vom Jugend-Fantasyroman hin zur Erwachsenenliteratur. Welche deutschen Autoren des Phantastischen sind geeignet, den Lesegeschmack der Horrorsucher zu bilden? Kann ich wirklich davon ausgehen, dass Georg Klein eine größere Leserschaft findet? (So sehr ich mir das für diesen außerordentlichen Autor, dessen Texte ich regelrecht verschlinge, wünschen würde, so wenig sehe ich größere Mengen Schüler sich vergnügt durch etwa ,,Libidissi” lesen.)
Sollte einer meiner geneigten Leser hier gute Ideen für das Ausstatten meines neuen ,,Horrorregals” haben, bin ich für Literaturhinweise außerordentlich dankbar.

Aufgabe 2: Finde deutsche (und andere) Horrorliteratur, die hohen literarischen Ansprüchen genügt, und die für junge Leser zugänglich ist.

For the past years, the Facharbeit was a good way for pupils in Rhineland-Palatinate to collect some more credit points for their Abitur. Some might save the entire business of finishing school with a degree, some might “just” improve their final marks, but all spend some time on a propaedeutic project. One aspect of this pre-academic work is to learn to stick to important, if self-sufficient rules like style-sheets. As the Facharbeit has not really survived the most recent changes in requirements for Abitur (the Besondere Lernleistung, something like a full-grown term-paper, has taken its position), I might take the oportunity to revise my style sheet. However, my current pupils are in need of a valid version, and so I have decided to publish the Facharbeit-version here for general reference, and possibly for suggestions on where to leave the 20th century behind. As soon as I have come up with a more up-to-date version, I shall write a quick post here outlining the modernizations and offering the new document for general use.

 

Style_Sheet_Gutmann_LK_EN

This week, I asked my English Leistungskurs in 11 grade to prepare a text for the next lesson. The text was, as everyone admitted, not difficult to “understand” (i.e. vocab and grammar were in pupils’ terms “ok”), but it was utterly incomprehensible (“I understood every word and every sentence, but I don’t know what it all means!”). The problem was quickly discovered: German pupils do not necessarily know English clothing sizes, they do not know English brands, they haven’t got a clue what literary characters English people have grown up with, — in short, they do not know the first thing about English Everyday Life.

How do you get to know another country’s / people’s daily life without actually travelling there and living there? You simply don’t. But you can play the “Peeping Tom” and cheat a bit by not “getting to know”, but “learning”. Here, of course, pupils always will think of the answer the teacher wants to hear: read English newspapers and watch English news; watch DVDs with the English language option. But — all those do not tell you about Marks&Spencer, cuppas, mugs and cups and… Hence, the answer I would like to hear from my pupils is: watch English (or US for that matter) telly, watch the adverts, not necessarily the actual programme; know what’s on on telly and radio; listen to an English on-line station rather than your local one. Not always all the time, but sometimes for some time.

So, here’s a very basic, very quick&dirty list of on-line resources one could use to take a look at English and American everyday life. I plan to collect and possibly annotate more links in the course of the year and might post a proper article here with more helpful “stuff”.

Telly: OnlineTVRecorder offers, amongst others, British and US-American TV stations. You might want/need to click adverts or pay a small fee, but it is worth the effort. http://onlinetvrecorder.com

The Radio Times has a lot of information on current affairs in all sorts of media: http://www.radiotimes.com/ and especially for TV, with schedule and all: http://www.radiotimes.com/tv

Radio: Apart from all the built-in lists in on-line radio players, here is a very helpful list of UK stations: http://www.radiofeeds.co.uk/

Digital satellite dish (for the brave): http://satellitenempfang.info/astra_2d.html

Romeo_and_Juliet_banner

This year, I produced and directed Romeo and Juliet with dRAMSet, the two performances being June 20 and 21.

When one decides to produce a Shakespearean play, it has become necessary over the past centuries to adapt the playtext to modern audiences. This does not mean, of course, that the witches in the Scottish Play need mobile phones, or that Shylock needs to use the f-word in his big soliloquy; but it means that one has to concentrate on certain aspects and work them in a way that a contemporary audience can respond to them (rather than study “Shakespeare” in a museum-like re-enactment). Romeo and Juliet, of course, offers itself to a school’s dramatic society because of the very age of its protagonists. I took it from there…

As my cast and the most important part of our audience is about the same age as R&J themselves, it is obviously a good idea to concentrate on this aspect. Hence, I cut the basic text down to a version in which the environment of family and education moves into the centre. That meant as a consequence that most of the political aspects had to go; Family is fundamentally a social, not a political concept.

Juliet’s family appears then as the patriarchal unit in which the word of the Husband and Father is the law. Although Juliet’s nurse and her mother try(!) to contradict old Capulet, they constantly fail. As a marginal note: this is quite unusual in Shakespeare, because it is often the female characters who make the decisions (even if the men tend to think the decisions are their own).
Juliet grows up in a microcosm in which her father is obeyed. There is no room for an emotional bond between father and daughter. The emotional bond between mother and daughter seems to be prevented by the institution of the nurse. Sometimes, Juliet’s mother appears to be really interested in her daughter, but she cannot connect (the night before Juliet’s wedding to Paris, the mother accepts her husband’s decision and leaves a devastated girl behind). Emotionally, it seems to be the Nurse where a connection is possible. When one looks closer, however (and in a “family cut”, one must do exactly that), she could, but she does not. The Nurse helps Juliet “against” the restrictions of the parents as long as sex and friendship are concerned, but when Juliet is facing complete rejection by her family, the Nurse sticks to the family’s values and does not offer consolation and alternatives to marrying Paris. Juliet is a truly lonely character. Unfortunately, we have to assume that more than only a few members in the audience could identify…

Romeo’s family is much less prominent in Shakespeare’s text; He is already the man who has to be his own master. The few references to his parents can be left out of the playtext without doing great harm to the whole. What is important here is Romeo’s positioning in his peer group of “rascals”. Those “boys as men” show what they believe are male positions in society, they take their rights and expect to get through with it — to become finally the “Man in the house”, just like Juliet’s father. Hence, cuts to those characters must be made very carefully. I tried to cut only those passages that tend to be too difficult to understand for an audience that does not consist of English native speakers (puns and the like need to be understood quickly, otherwise the performance becomes tiresome instead of entertaining).

The third character around which I built the production was Friar Lawrence. Obviously, he is an important wheel in the motor of the pure action, so he could not be cut heavily anyway. But then, there is another aspect which turned him into a very important key figure for our version. When he talks to Romeo, Friar Lawrence establishes not only the discourses of “growing up – being educated”, “loving — caring — taking responsibility”, but he also introduces the concept of gender into the play. Again, this issue cries out to be tackled by a contemporary school’s theatrical company. The role of men and women in society and, indeed, art, has changed and is still changing. There are voices calling for more female teachers, others crying out for more male role models; Schools discuss the boy-girl ratio amongst their best pupils; … and we had more girls than boys in our cast (we usually do). Friar Lawrence was the initator of my decision to present Romeo and Juliet with a cross-gender casting. The text was then appropriately cut, so that none of the references to “the other sex” is left out if at all possible.

I was now left with a text about two young people looking for their individual places in “society”, looking for role models and assuming they love each other. So far so good, but what to do with the very end, in which both families end up accepting and honouring each other again. I had to solve what I tend to think of as the “Nathan problem”: no audience on this planet will ever believe this solution of a play. Especially in school performances, it is very important to offer a believable storyline to the people in the audience, otherwise they will not be back for the next show. So, I decided to present the end as exactly what it is: A theatrical coup rather than an integral part of the story (in a political version of the play, of course, this could be different!).

Please feel free to download and use my version of the play (I am not claiming any kind of copyright on cuts 🙂 ): Romeo and Juliet – Version 4 – final cut (PDF) 

Das (linguistisch interessierte) Internet ist heute voll von Artikeln über die Entscheidung der Universität Leipzig, zukünftig ein “generisches Femininum” anstelle des traditionellen “generischen Maskulinums” zu verwenden. In Schriftstücken soll es, laut duz-Magazin, “Herr Professorin” heißen. Im zweiten Teil des Artikels kommt dann eine Ökonomin zu Wort, die die Entscheidung gut findet und behauptet: “viele [nutzen] die männliche Formulierung und machen eine Fußnote, dass auch Frauen gemeint sind. [… I]ch [finde] es gut, zu sagen, wir drehen das mal um.” (Häufiger wird im Netz die Fassung von Spiegel online zitiert).

Auch ich gehöre zu den Bediensteten im öffentlichen Dienst, die dazu verpflichtet sind, in Texten geschlechtergerecht zu formulieren (das läuft offiziell immer noch unter dem 80er-Jahre Konzept “Gender Mainstreaming”).  Während mir das im Studium und in der Ausbildung noch schwer fiel, habe ich inzwischen bei mir bemerkt, dass ich gar nicht mehr anders kann — und dass es Alternativen zur Fußnote gibt. “Schülerinnen und Schüler” oder “Kolleginnen und Kollegen” zu schreiben kann man sich angewöhnen, und je öfter man es tut, um so normaler wird es auch im persönlichen Stil. Nur ganz selten ist ein Satz zwangsweise so komplex, dass er durch die scheinbare Dopplung unübersichtlich wird. Mir fällt gerade mal ein einziges Beispiel aus den letzten drei Jahren ein, wo ich mich, trotz Übung und Formulierungsarbeit, für die Fußnote entschieden habe:

Wir haben 120 ½ L-Tage zur Verfügung und müssen 1.979 Sch-Tage versorgen, was zu einer Gruppen­richtgröße von 17 Sch. führt. Bitte berücksichtigen Sie dies in Ihrer Planung. Wenn Sie ein Projekt im Team anbieten, multiplizieren Sie bitte die Richtgröße mit der L-anzahl. Kleinere Gruppen für die Einen bedeuten größere Gruppen für die Anderen… ¹

¹ Ich bitte jeweils L als ‘Lehrerinnen und Lehrer’, Sch. als ‘Schülerinnen und Schüler’ zu lesen.

Wenn ich nun lese, dass eine (auch noch akademische!) Institution, die denselben Regeln unterliegt wie meine, durch eine irrwitzige Direktive nach außen behauptet, die Lösung des Problems liege nicht in sorgsameren Fomulierungen, sondern in einem linguistischen Blödsinn, ärgert mich das. Tagtäglich zeigen genügend Menschen im öffentlichen Dienst, dass das gesellschaftpolitische Problem der Geschlechterfairness lösbar ist und gelöst wird. Wir haben uns für unsere Arbeit einen eigenen Schreibstil angeeignet, zum Teil gegen den Widerstand eines ursprünglich anderen Sprachgefühls. Hätten wir es nicht getan, wären unsere – formalen – Möglichkeiten befördert zu werden gleich null. Persönlich wäre mir ja die Sprachpolitik irgendeiner deutschen Universität egal. Als Beamter ärgere ich mich beruflich über derartige Regelungen, wächst mit jeder doch die Gefahr, selbst eine solche Vorschrift gemacht zu bekommen. Als Philologe ärgere ich mich darüber, dass hier mal wieder ein Umgang mit der Sprache gepflegt wird, den sie einfach nicht verdient hat.

Meinem professionellen Ärger mache ich hier Luft. Rhapsodisch. Aber Luft.

Wenn man nicht in der Lage ist, zwischen “echten” Generika (wie z.B. “der Mensch”) und sog. “generischen Maskulina” (wie z.B. “der Professor”) zu unterscheiden, hält man sich am besten aus dem Diskurs raus. Man kann zu den Lexemen der ersten Gruppe stehen, wie man will, die deutsche Gegenwartssprache hat aber keine morphologische Möglichkeit, eine Opposition von “männlichem Mensch” und “weiblichem Mensch” von der Art “Mensch – Menschin” herzustellen. Gleiches gilt für “man”, das eben kein “kleiner Mann” ist. Die Lexeme der zweiten Gruppe hingegen können in männlichen und weiblichen Formen auftauchen, “Professor – Professorin” ist genausowenig ein Problem wie “Fahrer – Fahrerin”. Genaugenommen haben hier die Männer das Nachsehen, ist doch die Endung “-er” historisch schlichtweg ein Aktorensuffix und hat überhaupt nichts mit dem Genus zu tun (vgl. das englische “driver” oder “singer”, bei denen niemand auf die Idee käme, sie zu generischen Maskulina zu stempeln), während die weibliche Form eindeutig ist.

Während ich in meinen offiziellen Texten großen Wert auf die Verwendung beider Geschlechter lege, stehe ich oft bei den Klassenarbeiten meiner Schülerinnen und Schüler vor der Frage, ob ich deren alltagsnahe Verwendung “generischer Maskulina” markiere oder nicht. Ab und zu erlaube ich mir, diese Frage mit den Klassen zu diskutieren, und gerate in Teufels Küche, weil “das Sprachvolk”, wie es zur Schule geht, zuhause Medien konsumiert und in sozialen Umfeldern kommuniziert, hier kein Problem sieht und mich für “meschugge” erklärt, wenn ich behaupte, dass Sätze wie “Auf meiner Schule gibt es sehr viele gute Lehrer, einer der besten ist Frau Hopp” falsch sein sollen. Interessanterweise schreiben die gleichen Schüler und -innen Sätze wie “Das Mädchen schaute nach links und rechts, dann ging sie über die Straße” und denken sich nichts dabei.

In meinem saarländischen Heimatdialekt sind Frauen sehr lange, zumindest grammatisch, Mädchen, wir referieren auf sie mit “es” / “ääs” / “das”. Feministische Dialektkritiker und -innen werfen uns das schon seit Urzeiten vor. Die Lösung läge so nahe: Abschaffung des Diminutivs. Die Magd ist auch grammatisch feminin. Bislang habe ich noch keinen Aufruf zur Tilgung der Verkleinerungsformen im Deutschen gelesen. Soll ich das mal an der Uni Leipzig vorschlagen?

In a lucky coincidence, I have at long last got round to watching Downton Abbey at the same time as doing “England Studies” with my 11th graders. Lucky in as far as one of the issues German pupils really struggle with most is the concept of class — and Downton Abbey is “all about class”. …

Having grown up in a society which has been classless for nearly a century now (my grandmother was the last member of my family who remembered celebrating the monarch’s birthday, and she died in 2004 aged 95), the concept of ‘class’ is alien to me as well, and it took me some serious studying of English culture to get the courage to say “I know what class is”. But knowing is not living…

Hence, I would like to ask those of you who have grown up in the English class system (or in another British variety of it) and are aware of your own class to tell me how you react to the different representatives of the classes in Downton Abbey: who do you identify with, whose behaviour do you find (in)acceptable with respect to class, where are your sympathies, …?

It is my idea to compile some scenes from the ITV series and present them to my class together with your views. The comparison between how Germans see the respective issue and how you see and understand it will hopefully make it easier for my pupils to build up a feeling of class of their own.

I would be very grateful if you would post your answers (if possible together with a rough hint at your age-group) as comments to this post or mail them to me. Should I receive more mails than comments, I shall be more than happy to post a completely anonymised summary here.

Thank you very much, indeed, for your kind help.